Papmami

Blogparade Familienalbum – auf in längst vergessen geglaubte Zeiten

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Frau Mutter wars. Sie hat DIE Blogparade ins Leben gerufen.  Ich mach mal bei ihrer Blogparade #Familienalbum ausnahmsweise mit. Eigentlich möchte ich nämlich nirgends mehr mitmachen, mein eigenes Süppchen kochen, ein wenig vor mich hinschmollen. Weil ich sauer bin. Immer noch. Aufs Leben. Genug der Prüfungen.

KaddizweiDoch mir scheint, dass ich allein durch meine Geburt in den 70er Jahren die ersten lustigen Prüfungen hatte. Ich sage nur Schichtkindergarten. Achtung, sie jammert jetzt: ich konnte immer nur an den freien Tagen meiner Mama nach Hause (ach ja, ich war ein Scheidungskind). Das war schon ein wenig Heimkind sein. Oft war ich das einzige Kind über Nacht, was mir natürlich auch einen Sonderstatus zukommen ließ. Doch ich kann mich überhaupt nicht an eine Erzieherin namentlich erinnern, auch weiß ich nicht, wie sie aussahen. Dafür kann ich mich noch an DIE Besenkammer erinnern. Ein kleiner dunkler Raum ohne Fenster, in den ich wegen abendlicher Ruhestörung gesperrt wurde. Ich glaube, ich war fünf Jahre alt. Glaubt mir, ich schrie um mein Leben und ließ meine Fäuste an der Tür wild trommeln. Seitdem kann ich nicht mehr in völliger Dunkelheit schlafen und ich schalte bei The sixth sense immer weg, wenn Cole von den Kindern in einen Wandschrank gesperrt wird…

Ich schweife ab. Aber vielleicht ist es auch ganz interessant, wie in der DDR teilweise die Kinder erzogen wurden? Kann sich vielleicht noch jemand an die Unart der Erzieher erinnern, die den Kindern, die nicht schlafen wollten, eine Hand aufs Gesicht legten? Das fand ich richtig eklig.
Aber sehr lecker war stets der Griesbrei, der in riesigen Plasteschüsseln bereit gestellt wurde. Manchmal kann ich mich sogar an den Geruch erinnern. Auch an die Babymilch, die meine sieben Jahre jüngere Schwester trank, kann ich mich gut erinnern. Sie roch wesentlich besser, als die Milch, die meine große Tochter in den 90er Jahren bekam.

KaddiinLeda

DAS Lederkleid… es war rot… Farbfotos waren damals Luxus.

Kleidungstechnisch kann ich mich an ein rotes knappes Kunstlederkleidchen (Meine erste Schulmappe sah genauso aus-irgendwie. #heuteteuer) erinnern und an kratzige Strickwollhosen. Aufgewachsen bin ich ja an einem Chemiefaserstandort. Es gab irgendwie nur Kleidung aus Chemiefasern. Diese hat mich allerdings nicht an meiner Schachkarriere gehindert. Oh ja, ich war berühmt-zumindest im Kreis und im Bezirk. Ich sehe den Vize-DDR-Meister mit zehn Jahren einfach als Ausrutscher. Natürlich habe ich noch alle Medaillen und Urkunden. Es hat mir damals viel bedeutet. Schach ist ein sehr schöner Sport und in unserer hektischen Zeit eine wunderbare Entschleunigung. Es sei denn, man spielt Blitzschach.

Die 70er habe ich also nicht wirklich in guter Erinnerung. Wenn ich um das Thema: „Das hat uns allen nicht geschadet…“ nachdenke, fand ich die 70er und 80er am schädlichsten. Autofahren ohne sich anzuschnallen? Es gab dafür genügend Unfalltote, leider auch Kinder. Meine Familie hatte allerdings kein Auto, deshalb fand ich das Autofahren (ein bis zwei mal im Jahr) stets sehr aufregend. In der Regel bewegten wir uns doch eher mit Bus und Bahn. Was mich daran erinnert, dass wir auch kein Telefon hatten. Das erzähle ich meinen Kindern heute ab und zu, wenn ich mich wieder rechtfertige, weil ich mein Handy stets bei mir trage. So ein langer Mangel an wichtigen technischen Errungenschaften hinterlässt nun mal Spuren.

SchachMein Jahrzehnt waren die 80er. Deshalb sag ich immer, ich bin ein Kind der 80er, als Schach, Handball und Schule (ich Streber) immer unwichtiger wurden. Es war die Zeit von Duran Duran, Alphaville und Depeche Mode. New Wave war die richtige Musik, um erwachsen zu werden. Auch um sich zu verlieben.
Wir aßen frisches Brot mit Butter und Ketchup, plünderten nachts den Kühlschrank, in dem es keine Fertigprodukte, sondern Bouletten oder Schnitzel gab. Mit meiner besten Freundin knurpste ich Tütensuppen-roh! Manchmal kochten wir sie auch und schlugen noch ein Ei hinein. Und wir konnten rund um die Uhr essen. Wir blieben dürr und konnten alles tragen, was die 80er hergaben: Hosen aus Bettlaken, selbstgehäkelte Netzhemden (wir hatten ja schließlich nichts) oder die Secondhand Klamotten aus gefälligen „Westpaketen“. Oder bei einem plötzlichem Anfall von Reichtum gabs auch mal was aus dem Exquisit. Haare gefärbt wurde mit Londacolor oder bunter Tinte. Den richtigen Stand der Frisur gabs mit Zuckerwasser.

KaddiBalkonVielleicht noch ein oder dreißig Sätze zum Thema Beschäftigung. Ich war viel draußen, egal bei welchem Wetter. Zu Schulzeiten gab es genügend Arbeitsgemeinschaften und Sportvereine. Ich habe nebenbei sogar Esperanto gelernt, denn wir hatten ja nichts. Hö. Unsere Zwangsmitgliedschaften in der FDJ oder bei der Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft nahmen ebenfalls einen nicht unwesentlichen Teil unserer Freizeit ein.
Ich habe durch die Bootstouren mit Oma und Opa (#wardasschön) sehr früh schwimmen gelernt-mit fünf Jahren, auch in Seerosen. Der Dschungel (#IBES) hätte mich damals nicht wirklich geschockt. Wir konnten auch noch Fische von Fröschen unterscheiden oder war es der Unterschied zwischen Plötze und Barsch? Egal. Wir zogen wie die Kinder von Bullerbü in einer Kinderclique durch mein Heimatdorf (das heißt lustigerweise Boldebuck).

TV? Nein, habe ich tatsächlich nicht viel gesehen. Nur so kann ich mir meinen heutigen Fernsehkonsum erklären. Und den Kindern. Da bin ich wohl nicht so ein leuchtendes Vorbild. Aber geschadet hat mir das wenige Fernsehen wohl nicht, trotzdem kannte ich Wicki, Pinoccio oder Sindbad.
Zurückblickend bin ich mir nicht sicher, ob ich eine bessere oder coolere Kindheit als meine Kinder hatte. Ein Vergleich zöge wahrscheinlich auch eine Bewertung der politischen Begebenheiten nach sich. Schade finde ich, dass meine Kinder nicht so einfach schwimmen gelernt haben oder Fahrrad fahren wie ich.
Ich gebe zu, dass ich meine Kinder nicht so gut loslassen kann, wie es meine Eltern bei mir konnten (oder mussten?). Aber ich weiß, wie ungeliebt ich mich gefühlt habe. Vielleicht sind (meine) Kinder deshalb heute so viel wichtiger. Man tut ihnen natürlich nicht immer etwas gutes damit. Auch die Supersonderbehandlung meiner Lütten während der Leukämie, bringt uns jetzt oft an die Grenzen. Aber dies ist ein schwieriges Thema, über welches ich vielleicht noch einmal schreibe.

So, das war aber nun einiges aus meinem Familiennähkästchen. Ich hoffe, das Lesen und Bilderschauen hat Spaß gemacht.

 

 

 

 

 

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