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Zu Hause

Erwähnte ich bereits, dass meine Kinder gern zu Hause sind? Und ich bin erst so richtig produktiv, wenn ich das Haus für mich habe. Das ist gerade nicht hilfreich. Doch die Schulen halten ihre Türen noch zu. Manchmal machen sie sie einen Spalt auf und lassen ein paar wenige Kinder hinein für die sozialen Kontakte, um sie dann weit voneinander zusammen zu setzen und noch weiter die Fenster zu öffnen. Während das eine Kind eindeutig von dieser Öffnung profitiert und es uns sehr entlastet, wenn wir hier nicht jeden neuen Stoff mit ihm erarbeiten müssen (was leider mühselig aufgrund verschiedener Hemmnisse und Charaktereigenschaften ist), hofft das andere auf hohe Inzidenzzahlen, so dass der Schulleiter die Tür von innen zuhält. Um die Schule herum zu spazieren, würde sie noch akzeptieren.

Liebe Leser! Nein, nicht alle Kinder fühlen sich wohl in der Schule oder können nur in Präsenz lernen. Auch wenn das gebetsmühlenartig auf allen Sendern in jede Kamera geredet wird. Und erinnert Euch bitte. Wir fanden Schule alle doof. Der Sinn hat sich bei uns erst später erschlossen und natürlich auch der Unsinn. Also was sind das für merkwürdige Kinder, die das beim Thema Schulöffnungen ja oder nein einfach so behaupten. In meiner Naivität dachte ich letztes Jahr noch: Wow, endlich muss sich mit dem System Schule auseinandergesetzt werden. Endlich hält die Digitalisierung in unsere Schulen Einzug. Heimbeschulung lernt laufen, Geld wird für Lern-Projekte und Inklusion locker gemacht, besondere Umstände erfordern unbürokratische, kreative Lösungen (und der Breitbandausbau dockt an die ländlichsten Schulen an). Vielleicht kann ich es einfach nur nicht so gut einschätzen, bin ja weder Lehrer noch Bildungsminister. Was weiß ich schon, so als Mutter. Ich habe nur erlebt, wie meine Kinder teilweise regelrecht geschreddert wurden. Es ging und geht viele Tage kaum um Bildung, oft geht es ums Überleben. Das muss ich so dramatisch sagen, weil es einfach so war. Schule kann toxisch sein, wobei ich wieder mal darauf hinweisen muss, dass die Schule keine Person ist. Das System besteht aus Menschen.

Nach einem Jahr Virusfrust und Schuldurcheinander, kann ich deshalb kaum glauben, dass wir uns und vor allem die Kinder sich in Sachen Bildung hier zu Hause trotzdem entwickeln konnten. Jeder in seinem Tempo. Wir haben die neuen Möglichkeiten durch die Familienzeit jammerfrei gestaltet, waren dankbar und auch kreativ. Unsere individuelle Situation ist einfach pandemiekompatibel. Das ist nicht überall so, aber eben bei uns. Es hat viele Gründe (auch so manchen Lehrer, der das Beste draus machte). Und es ist eine Einstellungssache. Jetzt freuen wir uns auf den Frühling, auf warme Tage. Zu Hause.

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