Papmami

Tag 12 – Wie lange noch?

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Wir stehen erst am Anfang, sagen sie. Keiner weiß, was kommt, sagen sie. Niemand kann sagen, wie lange wir noch mit drastischen Einschnitten leben müssen. Das sagen sie. Fast täglich. Inzwischen hat sich Corona den ganzen Erdball geschnappt und treibt sein Unwesen vor allem da, wo er nicht ernst genommen wird.

Aber ich muss gestehen, dass mir die ganzen Verschwörungsvideos, -erklärungen etc. sehr zu schaffen machen. Auch weil ich es nicht verstehen kann, wie man sich gezielt damit beschäftigen möchte. Sind die Sorgen noch nicht groß genug oder gibt es denn gar nichts besseres, als so viel Negatives in sich aufzusaugen? Kribbelt es denn nicht in den Fingern, diese Krise als Chance zu sehen, als Motor für einen Reset, für etwas Kreatives, als Startschuss für das, was einem schon immer wichtig war? Jetzt ist für viele genug Zeit für Recherche, für Brainstorming, für gute Taten. Es ist Zeit für Sport, für Nahrungsumstellung, Zeit zum Möbelrücken oder Entrümpeln. Ausgenommen die, die jetzt alles am Laufen halten. Selbst der Herr des Hauses ist auch nach der Arbeit noch voller Tatendrang.

Und wir reden viel, streiten auch, schon deshalb, um sich mehr zu spüren und auch, um sich gegenseitig liebevoll zu ärgern. Ansonsten ist es hier tatsächlich schon unheimlich harmonisch. Als wäre alles genau so, wie es sein muss. Natürlich wissen wir, dass es nicht so bleiben wird. Es ist gerade jetzt trotz Stillstand alles in Bewegung. Man spürt die kollektive Verunsicherung. Sie wabert als ungewohnte Stille durch die Mauern unseres Hauses. Die Sorgen und Ängste sind einfach da. Auch ich träume vermehrt nachts wieder viel Blödsinn. Das kenne ich so extrem mit leichten Anflügen von Panik aus der Therapiezeit von Sue Klein. Das war existentiell, bedrohlich und oft schmerzhaft.

Vielleicht macht es uns deshalb nicht mehr so viel aus. Wir sind ja schon einmal durch die Hölle gegangen. Die Füße qualmen ja noch. Wir erinnern uns an die täglichen kleinen Tode, die man in so einer Ausnahmesituation erlebt. Viele Flashbacks sorgen bei mir für Aufruhr. Es ist alles wieder da. Vertraut. Überstanden gedacht. Diese Tage zeigen, dass die Therapiezeit von Sue Klein immer ein Teil von uns sein wird. Es liegt an uns, wie wir mit den Erinnerungen umgehen. Laden wir sie zum Zerstören ein oder nehmen wir sie als kleine Warnung wahr, dass das Leben nicht planbar ist?

Letzteres soll wieder im Vordergrund stehen. Und Corona sagt dies auch. Nichts ist planbar, sicher. Es ist ein Trugschluss. Besonders in unseren Breitengraden bilden wir uns ein, dass wir ein Anrecht auf Sicherheit, auf Planbarkeit, auf warme Wohnungen und immer zu essen haben. Fleiß und Zielstrebigkeit-höher und schneller und mehr. Unsterblichkeit habe ich vergessen. Erster sein. Dabei ist doch siegen und gewinnen immer eine Frage der Perspektive.

Als Sue Klein gesund wurde, nahmen wir uns viel vor. Vor allem glücklich zu sein. Wir verbanden damit Ausflüge und Reisen. Einfach nur am Meer sitzen. Viele Dinge wurden unwichtig.

Nun dürfen wir noch mal nachjustieren. Weiter wie bisher, so wie alle anderen?? Oder doch etwas ganz Neues wagen? Schalten Sie nicht weg und bleiben Sie dran. Morgen geht es ungeordnet weiter. Gute Nacht!

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