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Es geht los auf Papmami

Der erste Beitrag in einem Familienblog sollte immer etwas besonderes sein, ein Türöffner für die Leser. Er sollte Sympathie, Herzenswärme ausstrahlen und Lust auf mehr (lesen wollen) machen.
Eigentlich gibt es schon genug Familienblogs, Elternblogs, Muttiblogs, Papablogs. Und das fand ich bis vor knapp einem Jahr auch. Sie sind alle so gut, dass ich einen weiteren Blog nicht für nötig hielt. Es gibt auch kaum eine Frage, die nicht schon in einem der vielen wunderbaren Blogs irgendwie schon behandelt, gelöst bzw. diskutiert wurde.

Meine Leidenschaft war deshalb der Baby Gadgets Blog. Und er machte mir so viel Spaß. Ich knüpfte bereits Kontakte mit Firmen und kleinen Startups, schmiedete Pläne zum Besuchen von Messen und begann mich für den Vertrieb von besonders gefragten Gadgets zu interessieren. Doch ich habe letztes Jahr einen anderen Blog begonnen, den ich zum Schutze meiner Tochter mit Passwort versehen habe. Am 18. Dezember 2012 erhielten wir für unsere damals vierjährige, jüngste Tochter die Diagnose Leukämie.

Unsere Welt blieb stehen bzw. stotterte auf allen Kanälen. Mein Gagdets-Blog? Nebensache. Mein hart erkämpfter Nine-to-three-Job? Nebensache und durch die Befristung weg. Unser Familienleben, unser Haus, unsere Tiere… Nebensache. Meine Tochter war auf einmal totkrank. Ein Schock! Eigentlich war da nur noch Ohnmacht und Angst, solche Angst. Unsere Motte, unser Wirbelwind, unser letztes Wunschkind musste nun um sein Leben kämpfen.

Es begann eine harte Zeit voller Tränen, Verzweiflung, Leid. Wir sind fast zerbrochen daran. Chemotherapie, Isolation und lange Krankenhausaufenthalte begleiteten uns. Mittlerweile befinden wir uns in der Erhaltungsphase. Das heißt, dass wir langsam ins Leben zurück dürfen. Was immer das heißt.
Inzwischen waren wir auch in der Zeitung und viele kennen unser Schicksal. Deshalb möchte ich mich etwas öffnen, um anderen Mut zu machen, auch um Spenden zu sammeln, auf andere Schicksale aufmerksam machen. Ich werde allerdings weiter meine Tochter schützen. Ich halte so gar nichts von haltloser Zurschaustellung wie ich es so oft auf Facebook erlebe.

Trotz meiner Zweifel, andere an unserem Weg teilhaben zu lassen, bleibt mir/uns nur die Flucht nach vorn. Denn es ist nichts mehr wie es mal war. Wir können unser Schicksal nicht verdrängen, nicht wegleben, nicht vergessen und ich möchte nicht mehr schonen und Rücksicht nehmen.

Papmami hat mich meine Jüngste oft genannt, wenn sie mal ausnahmsweise etwas von mir wollte und nicht vom Papa. Das war nicht immer schmeichelhaft. Aber es ist die Wahrheit. Zuallererst wird nach Papa gerufen, nach Mama, wenn sie ihn dann kaputt gespielt hat. Letztendlich steht Papmami für beide Elternteile, quasi ein neues Wort für Eltern. Vielleicht auch für besondere Eltern wie wir es sind. Ich bin gespannt, wohin uns die Reise nun führt, was uns die Krankheit lehrt und ob wir unser Leben bewusster gestalten.

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