Papmami

Fastenzeit

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So, ich faste jetzt. Glaubt Ihr nicht? Ich ehrlich gesagt auch nicht. Aber ich gestehe, ich bin zuviel auf Facebook. Und DAS muss ein Ende haben. Man sieht es erst gar nicht ein, aber als mir nun auch noch die Finger wie nach einer zehnwöchigen Erdbeerernte wehtaten vom vielen Gescrolle und Gelike, musste ich jetzt die Notbremse ziehen.

Auf Facebook (wo sonst) wurde ich an die Fastenzeit erinnert. Bis Ostern verzichten jetzt viele auf Essen, auf Rauchen, auf Alkohol. Und eine Facebookfreundin kündigte TADAAAH: Facebookfasten an. Wow, das will ich auch. Was würde ich mit der gewonnenen Zeit Gutes tun? Einen Verein für Krebskranke gründen, Flüchtlinge retten oder mal ein Buch lesen. Oder einfach nur mal abwaschen.

Der erste Tag ist sooo einfach. Ich fühle mich stark und überlegen. Diese armen Gestalten, die sich täglich in der Facebookwelt bewegen und die reale Welt einfach nicht mehr wahrnehmen. Pah, das habe ich hinter mir gelassen. Ich bin jetzt frei und habe mir Zeitkontingente frei geschaufelt, von denen ich seit Wochen nicht mehr wusste, dass ich sie hatte.

Ob ich vielleicht auf Facebook allen mitteilen sollte, dass sie jetzt sechs Wochen auf mich verzichten müssen? Auf mich und meine tollen Naturfotos von der Havel, auf meine wohlüberlegten Kommentare, Diskussionsbeiträge, auf die wichtigen Likes zur Erhöhung der Beitragsweite von Seiten? Aber das hieße ja, dass ich bereits nach nun mittlerweile zwei durchgehaltenen Tagen mein Fasten unterbreche und auf Facebook interagiere. Nein. So einfach lass ich mich nicht überrumpeln. Auch nicht von mir selbst. Eine Änderung meines WhatsApp-Status tut es auch. Gesagt, getan. Aber ich könnte doch wenigstens die Meldungen auf meinem Handy wegklicken. Sie rufen mir nämlich zu, dass ich noch die Diskussion um unsere bargeldlose Zukunft verfolge und irgendjemand hat mich markiert und ich sollte höflicherweise reagieren?

Aber nö Facebook, das hast du dir fein ausgedacht. Ich lösche einfach die App von meinem Handy. So. Und weg ist sie.
Wie traurig mein Handy jetzt aussieht, so verlassen, trostlos. Aber ich bin ja keine Pussy. Ich habe drei Kinder geboren-ohne PDA und Vollnarkose-da ist so ein Facebook-Verzicht ein Witz.

Drei Tage später: Als ich aus Versehen auf meinem Laptop, ja aus Versehen, Facebook aufrufe, sehe ich, dass zwei Freundinnen vor zwei Tagen bei Ikea waren-ohne mich! Und ich kann nicht mal einen Schmollkommentar darunter setzen. Wegklick. Kurzzeitig fühle ich mich ausgeschlossen. Unsichtbar. Offensichtlich vermisst mich auch niemand. Alle sind irgendwie bei einer tierisch guten Party und ich wurde nicht eingeladen. Ich darf mir am Fenster die Nase plattdrücken.
Und meine Katzenvideos, die mir täglich so gute Laune machen, seh ich auch nicht mehr. Und was macht eigentlich dieser Pegidaableger, der nervig alle zwei Wochen durch Rathenow zieht, haben meine Lieblingsseiten wieder sinnfreie Sprüche besorgter Bürger entdeckt? Ich fühle mich uninformiert, unruhig und sinnlos. Ich habe Entzugserscheinungen! Statt Qualitätszeit zu nutzen, schaue ich aggressiv auf mein Handy und spiele vermehrt Candy Crush. Ich schreibe sogar verzweifelt WhatsApp-Nachrichten an alte Kontakte. Handy! Erzähl mir was! Sprich mit mir!

So schwer habe ich mir das wirklich nicht vorgestellt und ich muss mich sehr anstrengen, der Versuchung zu widerstehen, mein Handy wieder mit Facebook auszustatten. Ich werde doof und unpopulär. Ich habe schließlich kein Facebook.

Heute ist der vierte Tag meines freiwilligen Facebookverzichts. Ich gebe zu, dass ich auch heute immer wieder suchend in der Gegend rumschaue, als hätte ich etwas vergessen. Das Gefühl etwas zu verpassen, ist noch immer intensiv. Aber ich habe irgendwie mehr Energie. Vielleicht ist das auch Zufall. In meinem Köpfchen reifen gerade ein paar Ideen für meine Blogs. Ich habe Fotos vom Schulfasching der Jüngsten bearbeitet und sogar schon bestellt. Und siehe da, ich habe gerade gebloggt.

Wer braucht schon Facebook.

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