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#NoMobbing Meine Erfahrungen

Dani von Gluckeundso und Ms. Essential von essentialunfairness haben zur Blogparade aufgerufen und wie bei allen traurigen Themen bin ich doch gern dabei. Glücklich kann ja jeder.

Es geht um Mobbing. Ein Thema, welches ich hier im Blog schon beschrieben habe. Es ging um Cybermobbing, allerdings reichte die Wurzel des Übels bis in die Schule. Wir sind damals mit der Umschulung einfach aus der Schusslinie gegangen und wir haben es instinktiv richtig gemacht. Die Gefahr war natürlich groß, dass das Mobbing auch auf einer anderen Schule weitergeht. Viele Umstände wie zum Beispiel das gestiegene Selbstbewusstsein, die intensive Therapie des Elfenmädchens und auch die fortschreitende Genesung von Sue Klein machten das Elfenmädchen stark. Ihre Grunderkrankung leider auch. Aber diese kann sich nicht mehr hinter all den Ereignissen, die uns in den letzten vier Jahren das Leben schwer machten, verstecken. So können wir besser zielen und immer drauf halten.

Wenn ich so zurück denke, war ich auch ab und zu Mobbingopfer. Ich wurde geschubst, getreten, bloßgestellt. Bei mir wäre alles zu spät, sinnlos-ich wäre ja so hässlich und zurückgeblieben. Also ich kenne dieses Gefühl der Schutzlosigkeit, des Gedemütigtwerden. Man fühlt sich wie der einzige Mensch, dem das passiert. Man denkt aber auch, man hätte es verdient. All die hässlichen Dinge, die einem gesagt werden, sind schließlich wahr. Denn kein normaler Mensch denkt sich sowas aus. Oder?

Ich habe mich nie gewehrt. Schließlich wurde ich auch mal richtig verkloppt und keiner hat mir geholfen. Ich habe als Zehnjährige aber allen Gemobbten geholfen, den Losern. Denen, die noch schlimmer als ich dran waren. Dafür wurde ich auch verhauen, gegen Schränke geworfen, ausgelacht. Zivilcourage kann so schmerzhaft sein. Aber schon als Kind habe ich Ungerechtigkeiten gehasst. Ich war voller Mitgefühl, immer empathisch. Es gab eine Weile für mich nur die Gemeinen und mich. Vielleicht bin ich deshalb auch noch heute bereit, auch Grenzen zu überschreiten für Unrecht-vor allem an meinen Kindern.

Meine Eltern wussten damals nichts von meinen Qualen. Ich war gut in der Schule, das reichte ihnen. Gewünscht hätte ich mir mehr Nachfragen, mehr Interesse. Das Gefühl, damit allein zu sein, war ernüchternd. Noch heute bin ich trotz meines lauter gewordenen Mundwerks schnell eingeschüchtert.
Deshalb war es mir immer wichtig, meine Kinder zu schützen und vor allem war es mir wichtig, sie immer wieder zu sensibilisieren, was Mobbing ist. Auch erkläre ich, wie schnell man selbst zum Mobber wird, zum Beispiel durch Schweigen. Schweigen stärkt Täter-immer.

Ein Experte für Mobbing hat im Übrigen mal erklärt, dass ein Ansprechen von Lehrern und Eltern eher kontraproduktiv ist. Eine richtige Lösung hat er statt dessen nicht genannt. Das fand ich schon merkwürdig, aber passt zu meiner Meinung, dass Mobbing schwer einzugrenzen und zu bekämpfen ist. Wobei Kampf ja auch nur eine Verteidigung zu Tage fördert. Die Mobber werden sich immer rechtfertigen oder sich eben auf die ein oder andere Art nach einer Aussprache rächen. Ich denke, dass Mobbing nur subtil bekämpft werden kann, so subtil wie Mobbing selbst manchmal stattfindet. Dazu gehört Mut, Kreativität und in den Schulen speziell viel Offenheit und auch der Wille, das Thema immer wieder zu besprechen.

Da fällt mir gerade eine Situation ein, als ich meinem Elfenkind beim Umziehen half und entdeckte, dass ihr Knie schwarz und dick war. Sie berichtete nach langem Zögern, dass sie die Treppe runtergeschubst wurde. Sie hätte sich nicht getraut, es zu sagen. Es folgte ein Donnerwetter, warum sie mir das verschwiegen hat. Das hat schließlich nichts mit petzen zu tun. Und nach dem ersten Schreck rief ich die Direktorin an und es war mir egal, ob an dem Tag Schulhoffest war. Lange Rede, kurzer Sinn. Mein Elfenkind müsse sowas dann auch sagen, war das, was mir noch in Erinnerung ist. Unnötig zu erwähnen, dass sie nicht das einzige Opfer war und die Dunkelziffer offensichtlich noch höher. Ich weiß heute gar nicht mehr, wie die Konsequenz war. Es gab so einen Vorfall zumindest nicht mehr bei meiner Tochter.

Was hat die Zeit damals mit mir gemacht? Habe ich sie heil überstanden? Vielleicht hilft es dem ein oder anderen, dass einige männliche Mobber von damals mich Jahre später in der Disko angegraben haben. Es war so merkwürdig, fast kurios. Erkannten sie mich etwa nicht? War ich denn ein schöner Schwan geworden, wo ich vorher noch so graumäusig und hässlich war? Ich konnte die Männlein gar nicht ernst nehmen und hab sie abblitzen lassen. Ich fühlte mich nicht mal geschmeichelt.

Jetzt zu warten, dass die Jahre vergehen und man seine späte Rehabilitation erhält, ist als Soforthilfe natürlich keine Option. Wer die Kraft und die psychologische Stärke und auch die Argumente, Beweise und Lösungsvorschläge hat, möge offensiv für seine Kinder einstehen. Viele haben mir gesagt, dass sie es toll finden, dass ich etwas unternommen habe. Allerdings denke ich, dass es fast zu spät war, ich eher hätte reagieren müssen. Ich habe die Zeichen nicht erkannt. Deshalb ist es wichtig, dass hingesehen wird und der Mund aufgemacht wird. Mobbing tötet kleine Kinderseelen. Nicht jeder geht daraus gestärkt hervor. Es tut mir in der Seele weh, wenn ich nur versuche zu erahnen, wieviele kleine Schätze sich vor dem nächsten Schultag gruseln, vor dem Hort oder auch dem Verein.

Andere fertig machen ist keine Kleinigkeit. Es fängt klein an und kann im schlimmsten Fall mit Suizid enden. Ich habe erst mal fertig und bin auf die anderen Artikel sehr gespannt.
Kleiner Nachsatz: Ich habe sehr lange für meinen Artikel gebraucht, er hat mich aufgewühlt und auch musste ich tagelang über das Thema und unsere Geschichte nachdenken. Eine tolle Blogparade!

#nomobbing

2 Kommentare

  • Kaddi

    Hallo Tanja,
    vielen Dank für Deinen Kommentar. Natürlich kann man seine Kinder nicht vor allem beschützen. Dem muss auch ich mich immer wieder stellen. Kinder sollten aber nicht so kaputt gemacht werden, dass sie von lebenslustigen, süßen Mädels zu unglücklichen, zweifelnden Minierwachsenen mit vielen Auffälligkeiten werden.
    Da werden wir doch angeblich immer zivilisierter, so aufgeklärt und in den Möglichkeiten so unbegrenzt, aber Empathie und Lebensfreude bleiben auf der Strecke.
    Ich mag auch die Vorstellung nicht, dass Mobber so ungestraft davon kommen, weil ihnen niemand-oft nicht mal die eigenen Eltern- Grenzen setzen.

    Und so sehr ich das Aufgehetze zwischen Lehrern und Eltern hasse, aber auch die Schulen sind in der Pflicht, denn dort findet das Mobbing schließlich statt. Und was bleibt denn den Eltern, als den Finger auf die Wunde zu legen. Wichtig ist natürlich, nicht pauschal alle Lehrer über einen Kamm zu scheren. Wichtig ist aber auch weiterhin, den Ball nicht ständig an die Eltern abzugeben. Man muss auch mal die Zeit sehen, die Kinder in der Schule verbringen oder eben davor in Kindergärten. Auch dort findet Erziehung statt. Die Wahrheit liegt wie immer in der Mitte.

    Oh, ich habe mich in Rage geschrieben. Ein wunderschönes Wochenende!

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