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Was ist die Mehrzahl von Blatt?

„Zwei Blatts!“ O-Ton meiner Tochter. Verzweifelt suchte ich nach einem sehr tiefen Loch, in welchem ich verschwinden und mich schämen konnte. Nach der Verweigerung des Hör- und Sehtests fand ich jetzt schon, dass die Schuluntersuchung fantastisch lief. Noch hatte ich die Wahl zwischen Nervenzusammenbruch und Lachanfall.

„Was soll ich denn nun schreiben?“. Die Ärztin des Gesundheitsamtes tat mir leid. Doch schließlich war sie der Profi. Für uns stand schon seit dem letzten Jahr fest, dass die Jüngste trotz schwerer Krankheit eingeschult werden soll. Die zweifelnden Blicke der Ärztin sagten aber: „Einschulung? Dieses Kind? Wo haben Sie das Richtige?“.

Dabei hatte ich für alles eine Erklärung. Falsche Antworten auf die Grammatikfragen? „Sie hat gerade Spaß!“ Ich konnte ja schlecht sagen: Sie veräppelt Sie gerade. Grimassen ziehen statt lustige Wörter wiederholen: „Das ist ihr zu langweilig!“ Sie müssen schon etwas mehr Gas geben, um eine Antwort zu verdienen. Keine Reaktion auf jegliche Fragen? „Das ist doch kein Wunder, Sie war über ein Jahr fast nur von Erwachsenen umgeben. Das ist fehlende Sozialkompetenz.“ Und das ständige Überschreiten jeglicher persönlicher Grenzen durch Erwachsene, das Anfassen durch Fremde (Pfleger, Ärzte, Praktikanten), die es nicht mal nötig hatten, sich vorzustellen-auch wenn die Patientin erst vier Jahre alt war.
Sie kann nicht sicher auf einem Bein springen? „Sie nimmt noch Medikamente!“ Zytostatika, um genau zu sein. Sie sind doch Ärztin, dafür muss man keine Onkologin sein, um zu wissen, welche Folgen eine Chemotherapie hat.

Zugegebenermaßen war das die schlimmste Einschulungsuntersuchung, die ich je miterlebt habe. Und das waren insgesamt derer drei. Wollten wir zuviel? Vielleicht gönnen wir ihr tatsächlich noch ein Jahr Kindergarten? Allerdings ohne ihre alte Kindergartentruppe, die dann alle bereits in der Schule sitzen, darunter ihre besten Freundinnen.

Bereits eine halbe Stunde nach Verlassen des Gesundheitsamtes war auch ich überzeugt, dass wir keinen Druck ausüben werden, um die Einschulung doch noch dieses Jahr zu erleben, weder beim Kind noch bei der Schule, noch beim Gesundheitsamt.

 

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